Einmal mit dem Fahrrad über die Alpen bis nach Italien und weiter nach Venedig – genau das haben wir gemacht. 2022 sind wir direkt von der Haustür aus zu unserem Alpencross nach Venedig gestartet. Dabei wollten wir nicht einfach nur möglichst schnell ans Ziel kommen, sondern unterwegs auch schöne Landschaften erleben, interessante Städte besuchen und die Strecke genießen.
Wir waren allerdings nicht gerade die trainiertesten Radfahrer. Deshalb haben wir uns bewusst für eine vergleichsweise entspannte Route mit gut planbaren Tagesetappen entschieden. Nur ein Abschnitt hatte es wirklich in sich: die Überquerung des Pfitscherjochs.
Unsere Route führte uns vom süddeutschen Raum über München und den Achensee durch das Zillertal und die Alpen nach Südtirol. Von dort ging es weiter über Bozen und Trient zum Gardasee, anschließend über Verona, Vicenza und Padua bis nach Venedig.
Die komplette Strecke haben wir vorab mit Hotels und Zeitplan in Roadlio geplant. Während der Fahrt nutzten wir teilweise Komoot und teilweise Google Maps zur Navigation.
Hier findet ihr unsere Alpencross-Route nach Venedig inklusive Karte und Zeitplan mit allen Etappen.
Unsere Planung: Alpencross ohne übertriebenen sportlichen Anspruch
Bei einem Alpencross denkt man schnell an durchtrainierte Mountainbiker, steile Anstiege und lange Tage im Sattel. Unsere Tour war allerdings etwas anders geplant. Wir wollten mit dem Fahrrad über die Alpen fahren, ohne uns jeden Tag völlig verausgaben zu müssen.
Deshalb haben wir die Etappen so aufgeteilt, dass genügend Zeit für Pausen, schöne Streckenabschnitte und Übernachtungen in interessanten Orten blieb. Die Hotels haben wir bereits vorab gebucht, damit wir nach einem langen Tag nicht noch nach einer Unterkunft suchen mussten.
Für die Planung war Roadlio hilfreich, weil wir dort unsere Route zusammen mit den einzelnen Stopps, Unterkünften und dem Zeitplan organisieren konnten. Für die Navigation unterwegs haben wir zusätzlich Komoot und teilweise Google Maps verwendet.
Eine Sache würden wir bei der Planung allerdings besonders beachten: Nicht jede Route, die auf der Karte kurz oder fahrradtauglich aussieht, ist auch angenehm zu fahren. Gerade am Anfang hatten wir trotz oder gerade wegen Komoot einige Schwierigkeiten, weil wir teilweise entweder auf winzige Feldwege oder direkt auf stärker befahrene Straßen geleitet wurden.
Von der Haustür zum Starnberger See
Die erste Etappe bis zum Starnberger See war ziemlich lang. Eigentlich hätten wir die Strecke etwas kürzer halten sollen, allerdings wollten wir nicht in München übernachten und fanden keine passende Alternative, die für unsere Planung besser funktioniert hätte.
Viel Zeit, um den Starnberger See selbst anzuschauen, hatten wir deshalb nicht. Das war für uns aber auch nicht besonders schlimm, da der See bei dieser Tour eher ein Zwischenstopp als ein eigentliches Reiseziel war.
Besonders die Fahrt durch München war überraschend angenehm. Innerhalb der Stadt konnten wir gut mit dem Fahrrad fahren, und es gab einige schöne Abschnitte.
Weiter zum Achensee
Nach München wurde die Strecke landschaftlich immer schöner. Wir fuhren an der Isar entlang und anschließend weiter in Richtung Achensee. Auch die Gegend rund um den Sylvensteinspeicher war ein echtes Highlight. Hier bekommt man bereits einen guten Eindruck davon, was einen auf dem weiteren Weg durch die Alpen erwartet.
Die Kombination aus Fluss, Bergen und türkisblauem Wasser macht diesen Abschnitt für mich zu einem der schönsten Teile der ersten Tourtage.
Durch das Zillertal nach Mayrhofen
Von Achenkirch aus ging es weiter nach Mayrhofen durch das Zillertal. Diese Etappe war landschaftlich sehr schön und im Vergleich zu den späteren Abschnitten auch ziemlich entspannt.
Das Zillertal eignet sich gut zum Radfahren, weil man über weite Strecken relativ angenehm durch das Tal fahren kann, ohne ständig steile Anstiege bewältigen zu müssen.
Da es bei unserer Tour ziemlich heiß war, haben wir unterwegs sogar einen Abstecher in ein Freibad gemacht. Gerade bei einer mehrtägigen Radtour sollte man nicht unterschätzen, wie anstrengend hohe Temperaturen werden können. Eine längere Pause im Schatten oder eine Abkühlung im Wasser kann da viel ausmachen.
Für uns war die Strecke nach Mayrhofen deshalb eine gute Gelegenheit, noch einmal Kraft für die bevorstehende Alpenüberquerung zu sammeln.
Über das Pfitscherjoch – die schwierigste Etappe unseres Alpencross
Die anspruchsvollste Etappe unserer gesamten Tour führte über das Pfitscherjoch nach Südtirol. Bis zum Schlegeis-Stausee ist die Straße gut ausgebaut, teilweise aber bereits ziemlich steil. Spätestens hier merkt man, dass man sich auf einer Alpenüberquerung befindet.
Die Landschaft ist dafür beeindruckend. Rund um den Schlegeis-Stausee erwarten einen hohe Berge, Wasserfälle und spektakuläre Felsformationen. Schon dieser Abschnitt allein ist landschaftlich ein echtes Highlight.
Ab dem Schlegeis-Stausee wird es deutlich anspruchsvoller
Hinter dem Stausee verändert sich der Weg allerdings deutlich. Aus der gut ausgebauten Straße wird ein alpiner Weg, der teilweise eher einem Wanderweg ähnelt. Es gibt größere Steinplatten, Geröll und Abschnitte, auf denen wir unsere Fahrräder schieben mussten.
Besonders mühsam waren einige Passagen kurz vor dem Pfitscherjoch, an denen wir die Fahrräder über beziehungsweise entlang von Regenrinnen den Berg hinaufschieben mussten.
Oben am Pfitscherjoch wartet die Belohnung
Direkt oben befindet sich das Pfitscherjochhaus, wo man eine Pause einlegen und sich von dem anstrengenden Anstieg erholen kann.
Auf der anderen Seite geht es anschließend bergab. Unser Hotel lag in St. Jakob, sodass wir nach der anstrengenden Überquerung keine besonders lange Strecke mehr zurücklegen mussten.
Mein Tipp: Plant für das Pfitscherjoch genügend Zeit und Kraft ein. Ich würde diese Etappe nicht zu voll packen und mich auch nicht darauf verlassen, dass man jeden Abschnitt tatsächlich fahren kann. Gerade bei einem Alpencross ist es sinnvoll, eine gewisse Reserve im Zeitplan zu haben. Startet auch früh genug, damit ihr rechtzeitig beim Hotel seit bevor es dunkel wird.
Über Brixen und Bozen durch Südtirol
Nach dem anstrengenden Pfitscherjoch wurde die Strecke für uns deutlich angenehmer. Über Brixen ging es weiter nach Bozen, wobei wir einen großen Teil der Strecke auf der Via Claudia Augusta beziehungsweise den entsprechenden Radwegverbindungen zurücklegen konnten.
Dieser Abschnitt hat uns besonders gut gefallen. Die Wege sind über weite Strecken gut ausgebaut und verlaufen angenehm getrennt vom Autoverkehr. Dadurch kann man sich mehr auf die Landschaft konzentrieren und muss nicht ständig auf den Verkehr achten.
Nach dem Pfitscherjoch geht es über weite Teile der folgenden Strecke deutlich bergab. Das macht die Fahrt Richtung Süden wesentlich entspannter als die vorherigen Tage.
Auch Brixen und Bozen eignen sich gut für einen Zwischenstopp. Beide Städte haben schöne Innenstädte und sind ideal, um den Tag nach der Fahrt noch entspannt ausklingen zu lassen.
Durch Trient zum Gardasee
Von Südtirol aus fuhren wir weiter nach Trient. Die Stadt war ein schöner Zwischenstopp und wirkte bereits deutlich italienischer als die Orte weiter nördlich in den Alpen.
Trient eignet sich gut, um die Strecke Richtung Gardasee aufzuteilen und noch einmal durch eine schöne Altstadt zu spazieren, bevor es weiter in Richtung See geht.
Für den Gardasee mussten wir anschließend allerdings noch einmal einen kleinen Anstieg bewältigen. Die zusätzliche Anstrengung lohnt sich aber: Oben angekommen, wird man mit einem tollen Blick auf den See belohnt.
Wir hatten unsere Unterkunft in Riva del Garda. Dadurch war die verbleibende Strecke nicht mehr besonders lang, und wir konnten den Tag entspannt ausklingen lassen.
Mit dem Fahrrad am Gardasee entlang
Der Gardasee war für mich einer der schönsten Abschnitte unserer gesamten Tour. Von Riva del Garda aus fuhren wir am See entlang in Richtung Malcesine und anschließend weiter nach Peschiera del Garda.
Auf vielen Abschnitten gibt es schöne Radwege direkt am Wasser. Gerade wenn das Wetter mitspielt, ist die Strecke landschaftlich fantastisch. Man fährt entlang des Sees, hat immer wieder schöne Ausblicke und kann an verschiedenen Stellen eine Pause einlegen.
Allerdings ist die Radinfrastruktur nicht überall durchgängig. Außerhalb der Ortszentren gibt es teilweise sehr schöne Abschnitte direkt am Ufer. In den Städten selbst enden diese Wege dagegen häufig, sodass man sich anschließend durch enge Gassen oder andere Straßenverbindungen schlängeln muss.
Das macht die Fahrt zwar abwechslungsreich, erfordert aber auch etwas mehr Aufmerksamkeit und eine gute Navigation.
Von Peschiera del Garda nach Verona
Ab Peschiera del Garda wurde die Routenplanung etwas schwieriger. Der schöne Radweg am See war für uns hier zunächst zu Ende, sodass wir auf andere Wege ausweichen mussten, um nach Verona zu kommen.
Auf späteren Abschnitten fanden wir wieder längere Radwege, allerdings gab es keine durchgehend einfache Verbindung, auf der man ohne Unterbrechung bis zum nächsten Ziel hätte fahren können.
Verona selbst war dafür ein umso schöneres Ziel. Die Stadt hat eine tolle historische Innenstadt, zahlreiche Restaurants und Plätze, an denen man sich nach der Fahrt entspannen kann.
Rückblickend hätte ich mir gut vorstellen können, hier noch eine weitere Nacht zu verbringen. Verona ist für mich nicht nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Venedig, sondern ein Ort, der auch einen längeren Aufenthalt verdient.
Von Verona nach Vicenza
Nach Verona ging es weiter nach Vicenza. Auch diese Stadt hat uns gut gefallen und eignet sich als angenehmer Zwischenstopp auf dem Weg Richtung Venedig.
Die Stadt ist vor allem für ihre Architektur bekannt und bietet eine schöne historische Innenstadt, ist etwas kleiner und weniger touristisch. Nach mehreren Tagen in den Bergen und entlang des Gardasees war es interessant, wieder durch eine größere italienische Stadt zu fahren.
Vicenza war für uns eine gute Möglichkeit, die letzte größere Etappe Richtung Venedig aufzuteilen, ohne jeden Tag besonders lange Strecken zurücklegen zu müssen.
Padua – ein unterschätzter Stopp auf dem Weg nach Venedig
Von Vicenza aus ging es weiter nach Padua. Die Stadt liegt bereits relativ nah an Venedig und war für uns eine der positiven Überraschungen auf dem letzten Abschnitt der Reise.
Padua hat eine schöne Innenstadt, zahlreiche Plätze, historische Gebäude und viele Restaurants und Cafés. Bei unserem Besuch war einiges los, was vermutlich auch an der Universität und dem lebendigen Stadtleben liegt.
Für mich ist Padua ein unterschätztes Reiseziel. Viele verbinden die Region vor allem mit Venedig, dabei lohnt es sich durchaus, auch die umliegenden Städte kennenzulernen.
Wenn ihr einen Alpencross nach Venedig plant, würde ich Padua deshalb nicht einfach nur als Übernachtungsort betrachten, sondern bewusst etwas Zeit für einen Rundgang einplanen.
Das Ziel Venedig – was man mit dem Fahrrad beachten muss
Von Padua aus war es schließlich nicht mehr weit bis zu unserem Ziel: Venedig.
Nach all den Tagen auf dem Fahrrad war es ein tolles Gefühl, die Tour tatsächlich bis ans Ende durchgezogen zu haben. Von der Haustür aus über die Alpen, durch Südtirol, am Gardasee entlang und durch mehrere italienische Städte bis nach Venedig zu fahren, war ein besonderes Erlebnis.
Allerdings gibt es bei der Ankunft eine wichtige Besonderheit: In Venedigs historischer Altstadt darf man Fahrräder nicht einfach wie in einer normalen Stadt benutzen und auch nicht mal schieben. Deshalb sollte man sich bereits vor der Ankunft Gedanken darüber machen, wo man das Fahrrad sicher abstellt.
Rund um den Bahnhof gibt es Möglichkeiten zur Fahrradaufbewahrung. Ob diese für das eigene Fahrrad geeignet sind und welche Bedingungen gelten, sollte man vorab prüfen und möglichst reservieren. Gerade bei mehreren Fahrrädern und Gepäck ist es sinnvoll, sich nicht erst bei der Ankunft darum zu kümmern.
So kann man anschließend die Stadt zu Fuß erkunden, ohne das Fahrrad ständig mit sich herumtragen oder sich Gedanken über eine geeignete Abstellmöglichkeit machen zu müssen.
Fazit: Lohnt sich ein Alpencross von der Haustür nach Venedig?
Für uns war der Alpencross nach Venedig eine tolle Erfahrung. Wir waren keine besonders trainierten Radfahrer und haben deshalb bewusst eine Route gewählt, bei der neben der sportlichen Herausforderung auch das Erlebnis im Vordergrund stand.
Besonders gut gefallen haben uns die abwechslungsreiche Landschaft, die Strecke durch das Zillertal, die Fahrt durch Südtirol, der Gardasee und die italienischen Städte auf dem Weg nach Venedig.
Das Pfitscherjoch war mit Abstand die anstrengendste Etappe. Gerade dort sollte man sich nicht von der Vorstellung täuschen lassen, dass man die gesamte Strecke einfach auf dem Fahrrad zurücklegen kann. Einige Abschnitte sind steil, steinig und eher für erfahrene Radfahrer geeignet, die auch mit Schiebepassagen zurechtkommen.
Dafür wird man mit einer beeindruckenden Berglandschaft und einem echten Alpenüberquerungsgefühl belohnt.
Wenn ich die Tour noch einmal machen würde, würde ich wieder Hotels im Voraus buchen, die Etappen sorgfältig planen und bei der Navigation mehrere Optionen bereithalten. Außerdem würde ich mir für Städte wie Verona und Padua etwas mehr Zeit nehmen.
Mein Fazit: Ein Alpencross nach Venedig muss nicht zwangsläufig eine extreme sportliche Herausforderung sein. Mit einer passenden Routenplanung, realistischen Tagesetappen und ausreichend Zeit für Pausen lässt sich daraus eine abwechslungsreiche Radreise machen. Wichtig ist nur, einzelne schwierige Abschnitte wie das Pfitscherjoch realistisch einzuschätzen.
Unsere komplette Alpencross-Route nach Venedig mit Karte und Zeitplan
Wenn ihr die Tour selbst fahren möchtet, findet ihr hier noch einmal unsere komplette Route mit allen Etappen, Stopps und Übernachtungen. So könnt ihr euch einen Überblick verschaffen und die Planung an eure eigene Kondition und euer Fahrrad anpassen.
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